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17.5.2012
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 Fünf Fragen an ...  

eumom.com arbeitet ständig mit den besten Ärzten, Ärztinnen und Hebammen Europas zusammen, um Ihnen aktuelle medizinische Informationen aus der täglichen Praxis zu bieten. Deshalb interviewen wir regelmäßig und exklusiv Spezialisten zu den wichtigen Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt. Und das Beste: Unsere neue Serie "Fünf Fragen an..." mit eumom-Exklusivinterviews wird ständig erweitert!


FÜNF FRAGEN AN: PROF. DR. DR. H.C. WOLFGANG HOLZGREVE, BASEL

Stichwort: Fetale Zellen im Blut der Mutter

Bisher müssen dem Fötus Zellen entnommen werden, wenn man seine DNA analysieren möchte. Ein nicht ungefährliches Verfahren für das ungeborene Kind. Ihre neue Methode ist entscheidend anders. Warum?

Prof. Holzgreve: Schon seit vielen Jahren gibt es die Fruchtwasserpunktion im zweiten Schwangerschaftsdrittel. Später kam dann die Chorionbiopsie dazu, die schon in der 10. SSW eine vorgeburtliche Untersuchung ermöglicht. Beide Methoden dienen der sicheren Diagnose von Chromosomenstörungen, vielen Stoffwechselleiden und familiären Einzelgenerkrankungen. Aber jeder vorgeburtliche Eingriff mit Nadeln und Katheter ist mit einem gewissen, wenn auch kleinen, Risiko für die Schwangerschaft verbunden, vor allem einer Fehlgeburt. Daher ist das Interesse natürlich gross an einer Technik, mit der die gleichen Diagnosen ohne Eingriffsrisiko möglich wären. Und genau an einer solchen Technik forschen wir derzeit.

In welchen Fällen ist es wichtig, die Erbanlagen des Fötus - oder Teile daraus - zu kennen?

Prof. Holzgreve: Die häufigste Begründung für eine vorgeburtliche Untersuchung ist das mütterliche Alter über 35 Jahre, weil dann die Wahrscheinlichkeit für eine Chromosomenstörung beim Kind erhöht ist. Darüber hinaus gibt es Familien, die bereits ein Kind mit einer genetischen Erkrankung haben, und in solchen Fällen besteht häufig ein Wiederholungsrisiko von 25 %.

Ihr Forscherteam hat herausgefunden, dass sich die kindlichen Zellen nicht nur im Blut der Mutter finden lassen, sondern auch an vielen anderen Stellen im Körper. Welche Folgen kann das für die Mutter haben?

Prof. Holzgreve: Die Voraussetzung für die sog. nichtinvasive Diagnostik ist das Vorhandensein kindlicher Zellen und DNA im Blut der Schwangeren. Die Forschung hat ergeben, dass etwa 1 unter 1 Mio. mütterlichen Zellen tatsächlich vom Kind kommt und diese wenigen kindlichen Zellen können heute sozusagen aus dem Blut der Schwangeren herausgefischt werden. Diese Zellen haben aber offensichtlich auch die Fähigkeit, gelegentlich lange im Körper der Mutter zu bleiben und können auch nach Jahren noch verantwortlich sein für bestimmte sog. Autoimmun-Erkrankungen, z.B. die Sklerodermie (eine Hauterkrankung) oder bestimmte seltene Formen einer Autoimmun-Schilddrüsenerkrankung bei der Mutter.

Ab wann können Kliniken und Labore die neue Analysemethode anbieten?

Wir freuen uns, jetzt bereits anbieten zu können, dass der Rhesusfaktor eines ungeborenen Kindes nichtinvasiv aus dem mütterlichen Plasma in der Schwangerschaft bestimmt werden kann. Dies ist wichtig bei der sog. Rhesus-Unverträglichkeit, bei der die Mutter Rhesus-negativ ist und man klären möchte, ob das Kind vom Rhesus-positiven Vater den Rhesusfaktor ererbt hat - nur dann können nämlich Probleme entstehen.

Für welche Schwangere kommt diese neue Methode in Frage?

Im Moment ist die Methode nur freigegeben zum Nachweis des Rhesusfaktors beim Kind. Zum Nachweis von Chromosomenstörungen ist die neue Methode noch nicht sicher genug, aber hier läuft in einem Verbund mit Zentren in den USA eine noch nicht abgeschlossene, gross angelegte internationale Studie
Wir wollen die neue Methode erst sozusagen auf Herz und Nieren prüfen, bevor sie für andere Erkrankungen freigegeben wird. Im Bereich vorgeburtliche Diagnostik liegt das Sicherheitsbedürfnis sehr, sehr hoch - hier darf es möglichst überhaupt keinen Fehler geben.

 

Stand: 10/01 AW

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