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 Fünf Fragen an ...  

eumom.com arbeitet ständig mit den besten Ärzten, Ärztinnen und Hebammen Europas zusammen, um Ihnen aktuelle medizinische Informationen aus der täglichen Praxis zu bieten. Deshalb interviewen wir regelmäßig und exklusiv Spezialisten zu den wichtigen Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt. Und das Beste: Unsere neue Serie "Fünf Fragen an..." mit eumom-Exklusivinterviews wird ständig erweitert!


FÜNF FRAGEN AN: PROF. DR. MED. CHRISTOF SOHN, HANNOVER

Stichwort: vorzeitige Wehen

Eumom: Herr Professor Sohn, wie erkenne ich vorzeitige Wehen?

Prof. Sohn: Vorzeitige Wehen können leichte bis starke Schmerzen sein, die typischerweise regelmässig an- und abschwellen , anders als Rücken- oder Bauchschmerzen. Wenn eine Schwangere vorzeitige Wehen spürt, dann sollte sie sofort ihren Frauenarzt, ihre Frauenärztin aufsuchen. Dort kann festgestellt werden, ob eine Frühgeburt droht, zum Beispiel indem der Arzt per Ultraschall die Länge des inneren Gebärmutterhalses misst.

Was ist der häufigste Grund für vorzeitige Wehen?

Prof. Sohn: Nach meiner Erfahrung sind vorzeitige Wehen häufig ein Symptom für eine andere Problematik – häufig eine Infektion. Das muss gar nicht unbedingt eine Infektion der Gebärmutter sein. Harnwegsinfektionen, Nierenbeckenentzündungen können auch vorzeitige Wehen auslösen.

Wie kann man eine Frühgeburt vermeiden?

Wir glauben inzwischen, dass vorzeitige Wehen, wenn sie nicht von einer Infektion ausgelöst werden, eine immunologische Ursache haben. Es ist praktisch eine Transplantatabstossung. Da gibt es zur Zeit keine ursächliche Therapie. Die bewährten Massnahmen, um vorzeitige Wehen zu verhindern oder zu stoppen sind: Raus aus dem Berufsleben, körperliche Schonung. Eine vorsorgliche Behandlung mit Magnesium und natürlich: Sehr engmaschige Kontrollen.

Kann die Schwangere etwas zur Vorsorge aktiv beitragen?

Ja! Die Frau kann sich selbst untersuchen. Sie kann messen, ob der pH-Wert in ihrer Scheide niedrig genug ist. Denn ein erhöhter Vaginal-pH ist ein Zeichen für eine beginnende Infektion, lange bevor sich die ersten Symptome zeigen. Was man heute kaum mehr macht, ist eine Cerclage.

Erzählen Sie uns ein Beispiel aus der Praxis?

Ich hatte vor kurzem eine Patientin, die ihr zweites Kind erwartete. Ihr erstes Kind war in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen mit 1000 Gramm Geburtsgewicht. Deshalb war die Frau kaum in der Lage, die nächste Schwangerschaft angstfrei anzugehen. Ab der 20 Schwangerschaftswoche habe ich diese Patientin sehr engmaschig kontrolliert Und tatsächlich litt sie ausgerechnet wieder in der 26. Schwangerschaftswoche an vorzeitigen Wehen, ausgelöst durch eine Harnwegsinfektion. Diese Patientin habe ich dann eine Woche im Krankenhaus sehr genau beobachtet, zweimal am Tag die Wehentätigkeit kontrolliert, ihr Ruhe verordnet und ein Antibiotikum gegen die Infektion gegeben. Und letztendlich hat sie ihre zweite Tochter acht Tage nach dem errechneten Geburtstermin zur Welt gebracht. Unser grosser Vorteil in diesem Fall war der Wissensvorsprung. So konnten wir sehr früh eingreifen und eine zweite Frühgeburt verhindern.

Stand: 8/01 AW

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